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Die Burg Brobergen

Brobergen war ursprünglich eine Flurbezeichung für die ganze Osteniederung von Behrste bis Burweg. Der Name, der in seiner älteren Form Brocberge lautet, stand für Sandberge im Broock (niederdeutsch für Bruch), die sich als sanfte Hügel aus der flachen Ostemarsch erheben.

1141 wurde Brocbergen als Lehen an einen von drei Brüdern (Dudo, Adiko und Ricbert), die dem Grafen Rudolf von Stade im Kampf gegen Albrecht dem Bären halfen, übergeben. Mit der Belehnung der Güter war die Aufnahme in den Adelsstand verbunden. Sie wurden Ministeriale, d.h. Dienstmannen des Landesherrn.

Die Burg selbst wird erstmals Mitte des 13. Jahrhunderts erwähnt. Um 1584 lässt der damalige Burgherr sie neu aufbauen und erweitern. Die heute im Bereich der Burganlage noch deutlich sichtbare südliche Wurt, der sogenannte "Kapellenhügel", trug mit ziemlicher Sicherheit die im Dreißigjährigen Krieg durch Brand zerstörte Burganlage. Neueste Funde scheinen dies zu belegen. Die Anlage war damit die wichtigste Burg der Tide-Oste.
 
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Weitere Grabungsfunde auf der Ostseite des Flusses beweisen die Existens einer Dammsiedlung ebenfalls seit Mitte des 13. Jahrhunderts. Hier wohnte das Gesinde des Burgherrn, welches allmorgendlich über die Zugbrücke zur Burg kam um hier den Arbeitsdienst zu verrichten.Um 1500 stand an der Flußquerung ein hölzerner Roland. Er zeigte die hohe Gerichtsbarkeit an. Bis zum Dreißigjährigen Krieg überquerte eine Zugbrücke die Oste. Danach kam die erste Fähre zum Einsatz.

1. Phase der Burg: Hochmittelalter
1270 / 75 wir die „borch to brogberghen“ gebaut. Es handelt sich dabei um eine sog. Niederungsburg, die vermutlich zum Schutz der Residenz des Erzbischofs auf der Burg Vörde (heute: Bremervörde) und zur Kontrolle des Schifffahrts-und Handelsweges Oste entstand.

Gründe für die Wahl des Ortes zum Bau der Burg waren vermutlich folgende:
1. Die Lage zwischen den Flüssen Mehe (im Norden) und Oste (im Osten und Süden) bot den besten Schutz für die Burg. Sie war an drei Seiten außerdem von Sumpf und Wasser umgeben und damit auch von Westen her nicht erreichbar. Einziger Zugang war über eine Brücke oder per Fähre möglich, was die Burg sehr sicher machte.
2. Es gab bereits in früheren Zeiten eine Burg in der Nähe , die sog. "Müggenburg", eine Wasserburg.
 

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Die eigentliche Erstbesiedlung des Ostebogens lag hier, südlich der heutigen Fährstelle. Hier erstreckt sich im Gelände in etwa O / W-Richtung eine etwa 150 Meter lange und ca. 50 Meter breite Kuppe, die entweder von Menschenhand errichtet wurde oder einen ehemaligen Uferwall der Oste darstellt, der schon früh besiedelt wurde. Begehungen im betreffenden Gebiet förderten Scherben zutage, die vermutlich urgeschichtlichen Ursprungs sind. Dieses deutet auf eine wesentlich ältere Besiedlung dieses Bereichs hin. Nicht auszuschließen ist, dass sich hier auch eine Anlegestelle für Boote befand. Es ist ebenso möglich, dass sich hier die seit Jahrzehnten gesuchten Überreste der historisch überlieferten „Müggenburg“ befinden, einer Wasserburg, die schon vor der Burg zu Brobergen existierte.
Die Burg von 1270/75 wird also nicht unweit der alten Burgstelle errichtet.

Erkundung des Burgverlaufs 2008
Der Fähr- und Geschichtsverein ließ im Juli 2008 eine archäologische Untersuchung der Burganlage durchführen, da es noch immer Ausdeichungspläne für den Bereich an der Burgwurt gibt.

Hierzu wurde vom Verein eine geophysikalische Untersuchung in Auftrag gegeben, die das Unternehmen Schweitzer-GPI aus Burgwedel durchführte. Mittels einer Magnetometer-Prospektion wurde dazu das Gelände am Fährkrug und auf der gegenüberliegende Flussseite untersucht. Insgesamt konnten rund 10.000 m² im Bereich der Kapellenwurt sowie der ehemaligen Dammsiedlung am Roland auf der anderen Osteseite vermessen werden.
 
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Luftaufnahme des Geländes mit Burgareal (links) und Dammsiedlung (rechts)

Die Untersuchung mittels Magnetometer zeigt auf der Kappellenwurt die Anlage einer Burg mit Burgturm/ Hauptgebäude auf einer Fläche von 15 m x 15 m, einem langen Innenhof von 15 m x 25 m, sowie einzelnen Gebäuden, die im Halbkreis um den Innenhof herum gruppiert sind. Eine kreisrunde Struktur in der Hofmitte könnte einen ehemaligen Brunnen anzeigen. Als Baumaterial verwendet wurden Backsteine, Ziegel und Findlinge, die als Trümmer und als Grundmauerreste erhalten geblieben sind. Im Bereich des Burgturms ist sogar ein Teil des ehemaligen Fußbodens erhalten. Die Messung zeigt außerdem, dass die ehemalige Burganlage bis fast an die Oste reichte und durch den Deichbau in den 1970er Jahren erheblich beschädigt wurde. Der Deichverteidigungsweg zieht sich als helle Schneise durch das Bild, hier wurden alle Burgtrümmer ausgeräumt.

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